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16. Münchner Lymph-Symposium

Aktuelle Entwicklungen in der Lymphologie, neue Leitlinien und interdisziplinäre Therapieansätze

Am 4. Juli 2026 fand unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. med. Michaela Knestele das 16. Münchner Lymph-Symposium in der Wappenhalle München statt. Unter dem Leitthema „Verschiedene Ursachen des Lymphödems, Einfluss von Adipositas und was ist denn nun ein Lipödem?“ kamen mehr als 250 Teilnehmende zusammen, um neueste Erkenntnisse und Entwicklungen der Lymphologie zu diskutieren. Ergänzt wurde das wissenschaftliche Programm durch praxisorientierte Workshops, die Raum für fachlichen Austausch und interaktive Diskussionen boten.

Den Auftakt machte Dr. med. Christian Schuchhardt mit einem Überblick über die Entwicklung der Lymphologie in den vergangenen 50 Jahren. Als eine der wichtigsten Errungenschaften bezeichnete er die Fortschritte in der Diagnostik. Zudem hob er hervor, dass insbesondere Betroffene selbst maßgeblich dazu beigetragen hätten, das Bewusstsein für sekundäre Lymphödeme – insbesondere nach onkologischen Therapien – zu schärfen. Trotz der positiven Entwicklung bleibe weiterhin viel zu tun, insbesondere bei der Verankerung lymphologischer Inhalte in der medizinischen Ausbildung.


Die neue AWMF S3-Leitlinie Lymphödem

Ein weiterer Schwerpunkt des Vormittags war die Vorstellung der neuen AWMF S3-Leitlinie Lymphödem, deren Veröffentlichung für Ende 2026 erwartet wird. Emer. Prim. Dr. med. Christian Ure erläuterte die zentralen diagnostischen Säulen Anamnese, Inspektion und Palpation und verwies auf eine ergänzende Checkliste, die Bestandteil der Leitlinie sein wird. Prof. Dr. Dr. med. Rüdiger G. H. Baumeister und PD Dr. med. Jens C. Wallmichrath stellten die mikrochirurgische Therapie des Lymphödems im Rahmen der Leitlinienüberarbeitung vor. Baumeister betonte, dass chirurgische Verfahren Teil eines ganzheitlichen Therapiekonzepts seien und Patientinnen und Patienten umfassend über Behandlungsoptionen und Erfolgsaussichten informiert werden sollten. Wallmichrath veranschaulichte mögliche operative Verfahren anhand von Fallbeispielen.

Physiotherapeutin Eva-Maria Streicher widmete sich der Bedeutung von Bewegung in Prävention und Therapie des Lymphödems. Sie stellte verschiedene Trainingsformen vor und hob hervor, dass auch moderates Krafttraining einen wichtigen Beitrag leisten könne. Christine Hemmann-Moll appellierte anschließend an eine engere Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft, medizinischem Fachpersonal und Versorgenden, um eine möglichst schnelle und bestmögliche Kompressionsversorgung Betroffener sicherzustellen.
 

Die Vielfalt der Lymphologie und Therapie

Im zweiten Themenblock erläuterte Prof. Dr. med. Moritz Wildgruber, MHBA, anhand von Patientenbeispielen die Behandlungsoptionen bei Malformationen im Kindesalter. Häufig seien interventionelle Verfahren wie die Sklerosierung die Therapie der Wahl. Prof. Dr. med. Birgit Kahle machte deutlich, wie wichtig die Unterscheidung zwischen Koinzidenzen und Komorbiditäten bei venösen und lymphatischen Erkrankungen sei, um daraus die jeweils geeigneten Therapieentscheidungen abzuleiten.

Knestele zeigte anhand klinischer Beispiele mögliche Komplikationen des Lymphödems sowie geeignete Behandlungsstrategien auf. Dabei unterstrich sie die weiterhin zentrale Bedeutung der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE) als Goldstandard der konservativen Behandlung. Ergänzend stellte PD Dr. med. Anett Reißhauer aktuelle Erkenntnisse zu Medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK) vor. Studien zeigten, dass MAK in den verschiedenen Phasen der KPE eingesetzt werden könnten und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit weder der Flachstrickversorgung noch der klassischen Bandagierung unterlegen seien.
 

Adipositas und Lipödem in der Lymphologie

Der Themenblock „wurde von Christina Lindemann eröffnet. Sie erläuterte die Zusammenhänge zwischen Adipositas und Lipödem und ging insbesondere auf gemeinsame Begleiterkrankungen ein, die bei einem gleichzeitigen Auftreten beider Krankheitsbilder gehäuft beobachtet werden.

Dr. med. Michael Dykta stellte konservative und chirurgische Behandlungsmöglichkeiten bei Adipositas vor. Bewegung sei ein wesentlicher Bestandteil jedes Therapiekonzepts, allerdings könne ab einem bestimmten Body-Mass-Index eine nachhaltige Gewichtsreduktion häufig nicht allein durch Ernährungsumstellung und körperliche Aktivität erreicht werden. In diesen Fällen seien medikamentöse oder operative Maßnahmen in Betracht zu ziehen. Dr. med. Corinna Giera erläuterte die Möglichkeiten der chirurgischen Therapie beim Lipödem. Ziel einer Liposuktion sei es, das Fortschreiten der Fettgewebsvermehrung zu stoppen und die Beschwerden der Betroffenen zu reduzieren. Die Entscheidung für oder gegen einen operativen Eingriff liege dabei stets bei der Patientin. Die gegenwärtige Versorgungssituation sowie die Auswirkungen des G-BA-Beschlusses und der LIPLEG-Studie wurden anschließend von Prof. Dr. med. Manuel E. Cornely eingeordnet.
Physiotherapeut Henry A. Schulze verdeutlichte die Bedeutung interdisziplinärer Netzwerke für eine umfassende und lückenlose Patientenedukation und -versorgung.
 

Lymphologische Fallbesprechung und aktuelle Forschung

Der abschließende Themenblock widmete sich aktuellen Forschungsansätzen und lymphologischen Fallbesprechungen. Prof. Dr. med. Claus C. Pieper präsentierte Ergebnisse quantitativer MRT-Messungen, die eine deutliche Ansammlung natriumreicher Gewebeflüssigkeit insbesondere im Unterhautfettgewebe und in der Haut bei Lymphödemen nachweisen konnten. Zudem zeigten die Untersuchungen, dass durch die Manuelle Lymphdrainage eine messbare lokale Reduktion dieser Flüssigkeitsansammlungen erzielt werden könne.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Sofagespräch zwischen Cornely und Kahle, in dem derzeitige Herausforderungen sowie unterschiedliche diagnostische und therapeutische Ansätze bei der Behandlung von Lymphödemen diskutiert wurden.

Die hohe Resonanz des diesjährigen Symposiums unterstrich erneut die Bedeutung des interdisziplinären Austauschs in der Lymphologie. Zum Ende des Symposiums lud die wissenschaftliche Leitung bereits zum 17. Münchner Lymph-Symposium am 3. Juli 2027 ein.

Julius Zorn GmbH

Juzo mit Hauptsitz im bayerischen Aichach wurde 1912 in Zeulenroda (Thüringen) gegründet und beschäftigt weltweit über 1.100 Mitarbeitenden. Mit der Schwesterfirma in den USA und den verschiedenen Tochterfirmen und Vertriebsorganisationen in Europa und Kanada bedient der Hersteller medizinischer Hilfsmittel einen internationalen Markt. Als Spezialist mit über 100 Jahren Erfahrung in der Kompressionstherapie hat Juzo es sich zur Aufgabe gemacht die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern und Beschwerden nachhaltig zu lindern. Dafür produziert das Unternehmen innovative Produkte – größtenteils „Made in Germany“ – aus den Bereichen Phlebologie, Lymphologie, Narbenmanagement und Orthopädie wie Kompressionsversorgungen in Rund- und Flachstrick sowie Bandagen und Orthesen. Neben den Produkten der Fachhandels-Marke Juzo gibt es die Juzo Akademie mit Fortbildungen für den medizinischen Fachhandel, die Marke sportomedix mit hochfunktionellen Produkten für ambitionierte Sportlerinnen und Sportler und die Marke EquiCrown mit medizinischen Kompressionsbandagen für Pferde. Mit Hightech, Handarbeit und Herzblut arbeiten die Mitarbeitenden bei Juzo an innovativen und individuellen Lösungen für mehr Lebensfreude in Bewegung. Weitere Infos unter juzo.de

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